Klare Sicht bis in zwei Meter Tiefe
Das Naturschutzgebiet: Großer und Westufer Kleiner Zeschsee

In den Wäldern östlich der B 96 zwischen Wünsdorf und Baruth hält Brandenburg zwei blaugrüne Kleinode verborgen: die Zesch- seen. Wie einem Märchen entliehen, so beschreibt sich ihre Lage. Im Norden, zu Füßen des Wurzelberges erstreckt sich der Kleine Zeschsee weiter südlich, an den Hängen von Weinberg, Schwarzem und Klappschlägers- berg, der Große Zeschsee. Dazwischen das beschauliche Dörfchen Zesch am See. Abseits der Bundesstraße liegt es zwischen den Hügeln der End- moräne, die Bischof Otto von Bamberg 1128 mit Weinstöcken bepflanzt haben soll. Fast 800 Jahre lang betrieb man bei Zesch Weinbau im nördlichsten Anbau- gebiet Deutschlands.
  Sommers genießen die Bader sonnige Nachmittagsstunden am Großen Zeschsees. Als Badesee ist er ein echter Geheimtipp, denn nirgends sonst im Landkreis fin- det man derart sauberes Wasser in so idyllischer Umgebung.

   

Im sandigen Brandenburg ist Wasser ein geschätztes Gut. Und so fußt das Konzept des Natur- schutzgebietes vor allem auf dem nassen Element. Der Große Zeschsee ist der einzige größere relativ nährstoffarme See im Landkreis Teltow- Fläming. Hält man eine weiße Scheibe in den See hinein, kann man sie noch in zweieinhalb Metern Tiefe erken- nen. Ein ähnlicher Versuch im Kleinen Zeschsee, und die Scheibe wäre schon nach 30 Zentimetern verschwunden. So außergewöhnlich klar ist der Große Zeschsee, dass bei den Lichtverhältnissen unter Wasser selbst die seltenen Stern- Arm- leuchteralgen und Nixkräuter gedeihen. Seine gute Wasser- qualität verdankt der See einer- seits den umliegenden Wäldern, die ihn vor landwirtschaftlichen Düngern bewahren. Andererseits den Quellen am Süd und West- ufer, die ihn mit natürlich ge- reinigten Wässern versorgen. Quellen, die so viel Wasser

   

hervorbringen, dass sie sich auf wenigen Metern zu kleinen Bächen erweitern, sind in der Region ohnehin selten. Das noch funktionstüchtige Ensemble aus kuppiger Endmoräne, Quelle und See aber ist so rar und wertvoll, dass es ein Naturschutzgebiet mehr als nur rechtfertigt.
  Mithin ist es Bestandteil des eu- ropäischen Schutzgebietsystems Natura 2000 und somit entspre- chend der Fauna- Flora- Habitat- Richtlinie mit einem Naturschutz- status nach Europarecht ver- sehen. Seltene Pflanzen wachsen hier, wie der Buchenfarn, der Wasserampfer und die Krebs- schere. Und das Breitblättrige Knabenkraut, unten in den Wiesen am Westufer, wo auch Kraniche auf Nahrungssuche gehen. Selbst Fischadler, die in Brandenburg zu den seltensten Greifvögeln gehören, statten den Fischbeständen der Zeschseen hin und wieder einen Besuch ab. Selbst für den Fischotter gibt es sichere Hinweise.

   

Die Große Rohrdommel aller- dings hat sich seit Jahren nicht mehr hören lassen. Doch viel- leicht kommt sie ja wieder, eines Tages. Indes scheint der Kom- promiss zwischen Ost und Westufer aufzugehen. Ausglei- chende Gerechtigkeit, oder gar nachhaltige Nutzung, so könnte man meinen, wo doch der Mensch das Recht hat den See ostseitig zu nutzen, sich zu erho- len, während der See selbst sich west und südseitig regenerieren darf. Der Wanderweg rund um den Großen Zeschsee, mal ein enger Pfad, mal ein breiter alter Fahrweg, ist wohl die beste Gelegenheit, das Gebiet einmal selbst zu erkunden. Etwa zwei genüssliche Stunden dauert der Spaziergang, vorbei an der ehemaligen "Fürstenbadestelle" derer von Solms und den Birken, die sich fotogen in den See nei- gen. Das Westufer des Kleinen Sees ist übrigens nicht begehbar. Zu tief ist der Sumpf und zu unwegsam das Gelände. MAZ vom 20.01.2001

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